2019-10-18 20:48

Wohlwollen für grosse Pläne des Rates

Kiesen

Die Gemeinde plant, Infrastruktur mit einem Investor zu sanieren. An einem Infoabend gab es dafür vorab lobende Worte.

In Kiesen sollen die Gebäude für die Schule und die Verwaltung erneuert werden. Foto: Markus Hubacher

In Kiesen sollen die Gebäude für die Schule und die Verwaltung erneuert werden. Foto: Markus Hubacher

  • Stefan Kammermann

Die Turnhalle in Kiesen war bis auf den letzten Platz besetzt. Sechs gelbe Baustellenhelme zierten den Gemeinderatstisch, daneben Baustellensignalisation. «Die Helme brauchen wir heute Abend wohl nicht, wenn es aber so weit ist, möchten wir diese gerne brauchen», meinte Gemeindepräsident Ernst Waber (SVP), als er am Donnerstagabend die Informationsveranstaltung eröffnete.

Eingeladen hatten die Behörden, um über ihre Ideen zur künftigen Dorf- und Schulentwicklung in Kiesen zu berichten. «Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, zu handeln», betonte der Gemeindepräsident. Denn die Infrastruktur und die Gebäude für die Schule und die Verwaltung würden nicht mehr den Vorgaben der Zeit entsprechen. Sie müssen in den nächsten Jahren modernisiert oder gar ausgebaut werden. So würden der Schule zum Beispiel derzeit rund 500 Quadratmeter Unterrichtsraum fehlen.

Dorfkern entwickeln

Aus diesem Grund hat der Gemeinderat ein Leitbild und Ideen erarbeitet. Dies mit dem Ziel, den Charakter des Dorfes der Gemeinde zu erhalten, der Umwelt Sorge zu tragen und lediglich ein moderates Wachstum anzustreben. Vorab im Dorfkern gibt es Entwicklungspotenzial. Dort besitzt die Gemeinde rund 20000 Quadratmeter Land. Der Gemeinderat möchte dort Schule, Sporthalle, schulnahe Nutzungen wie Mittagstisch oder allenfalls Tagesschule sowie Verwaltung unter einem Dach vereinen und so die Möglichkeit schaffen, um auf der verbleibenden Fläche von rund 12 000 Quadratmetern mitten im Dorf neuen Wohnraum zu realisieren.

«Dieses Land möchten wir im Baurecht an einen Investor abgeben», erläuterte Ernst Waber. Er rechnete vor, dass bei einem Landpreis von 800 Franken pro Quadratmeter ein jährlicher Baurechtszins rund 288000 Franken in die Kasse spülen würde. «Dieses Geld kann reichen, um die Sanierung der Schul- und Gemeindeinfrastruktur zu finanzieren», so der Gemeindepräsident, der von etwa 50 möglichen Wohneinheiten ausgeht.

Geldgeber zeigen Interesse

Wie Waber weiter ausführte, haben bereits Pensionskassen Interesse an einer Investition signalisiert. Vorab gelte es nun, eine Machbarkeitsstudie sowie eine Planungsvereinbarung auszuarbeiten. Bereits im Frühjahr will der Gemeinderat eine Mitwirkung durchführen, bevor im Mai 2020 die Gemeindeversammlung über das Geschäft befinden kann.

Planung und Projektierung würden dann in den Jahren 2021 bis 2023 an die Hand genommen. Dabei dürfte auch die Ortsplanung ein Thema werden, weil es voraussichtlich Umzonungen braucht. «Der Kanton hat uns bereits signalisiert, dass er eine Entwicklung gegen innen begrüsst», hielt der Gemeindepräsident fest.

In der kurzen Diskussionsrunde erntete der Gemeinderat mehrheitlich positive Reaktionen. «Die Idee ist sehr realistisch», meinte ein Votant. «Wir sind an einem Punkt, wo wir etwas machen müssen, um das Dorf zu entwickeln», fügte ein weiterer Redner an. Erst als die Diskussion längst beendet war, meldete eine Frau doch noch ihre Bedenken an: «Ich habe Angst, dass mit dieser Entwicklung die Lebensqualität verloren geht.»