2018-05-01 22:39

Der Angeklagte hat Tierkadaver nicht richtig entsorgt

Ein Oberländer hatte die Kadaver von drei Katzen nicht vorschriftsgemäss entsorgt. Dies bescherte ihm einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft, gegen den er Einsprache erhob.

Der Beschuldigte hätte die drei Katzen vorschriftsgemäss im Garten vergraben oder bei einer Sammelstelle abgeben soll. (Symbolbild)

Der Beschuldigte hätte die drei Katzen vorschriftsgemäss im Garten vergraben oder bei einer Sammelstelle abgeben soll. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

  • Hans Kopp

Der 68-jährige deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz im östlichen Berner Oberland wurde von der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wegen Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz für schuldig erklärt.

Er hatte es unterlassen, die Kadaver von drei Katzen korrekt bei einer Sammelstelle zu entsorgen. Bei einem Umzug fand ein Helfer in der Garage drei Kisten mit drei toten Katzen. Nach Verständigung des Veterinäramts trat die Polizei auf den Plan, und es erfolgte Anzeige.

Ursprünglich vergraben?

Ob die Kadaver vor dem Umzug vorschriftsgemäss an einem andern Ort vergraben und später wieder ausgegraben worden waren, blieb unklar.

Gemäss Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten dürfen einzelne kleine Tiere bis zu einem Gewicht von zehn Kilogramm auf Privatgrund vergraben werden. Sie müssen mindestens 2 Meter über dem Grundwasserspiegel liegen und mit einer Erdschicht von mindestens 1,2 Metern Dicke überdeckt sein.

Erst im zweiten Anlauf

Dem Beschuldigten flog ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ins Haus. Er wurde mit einer Busse von 500 Franken (ohne Eintrag im Strafregister) sowie Gebühren und Auslagen von 320 Franken belegt.

Dagegen erhob er Einsprache. Zu einer ersten Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun im Januar konnte er wegen eines Spitalaufenthalts nicht kommen. Er stellte ein Gesuch für eine Nachfrist (Wiederherstellungsgesuch). Am Dienstag nun erschien der Mann vor Gericht.

Rückzug der Einsprache verweigert

Gerichtspräsident Jürg Santschi machte den Beschuldigten gleich zu Verhandlungsbeginn auf die Möglichkeit des Rückzugs der Einsprache aufmerksam. Damit würden ihm weniger hohe Kosten entstehen. Darauf trat der Mann nicht ein, und die ganze Geschichte musste nochmals aufgerollt werden.

Er glaube ihm, dass die Katzen vor Jahren ordnungsgemäss vergraben worden seien, sagte Santschi. «Erwiesen ist jedoch, dass die Kisten mit den drei toten Tieren in Ihrer Garage aufgefunden wurden», machte der Gerichtspräsident dem Beschuldigten klar.

Damit habe er sich wegen Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz schuldig gemacht. Er komme um einen Schuldspruch nicht herum. Der Mann, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war, beantragte einen Freispruch. «Ich weiss nicht, wie die Kisten in meine Garage gekommen sind», argumentierte er.

Schuldspruch bestätigt

Der Einzelrichter bestätigte das Strafmass der Staatsanwaltschaft weitgehend, reduzierte jedoch die Busse mit Rücksicht auf die bescheidenen finanziellen Verhältnisse und die gesundheitlichen Probleme des Mannes von 500 Franken auf 200 Franken.

Mit den erhöhten Verfahrenskosten von 720 Franken entstehen ihm gleichwohl Mehrkosten von 100 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innert zehn Tagen kann dagegen Berufung eingelegt ­werden.

Berner Oberländer