2019-02-10 22:15

YB-Fans boykottieren neue Route – Fanwalk abgebrochen

Thun

Vor dem Spiel zwischen dem FC Thun und dem BSC Young Boys kam es während des Fanwalks zu mehreren Ausschreitungen. Der Walk musste abgebrochen werden.

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  • Irina Eftimie

Vermummt, in schwarzen Kapuzenpullovern und blauen Jeans standen gestern vor dem Spiel FC Thun gegen die Young Boys rund 500 YB-Fans beim Bahnhof Thun der Kantonspolizei gegenüber. Die YB-Supporter zündeten erste Rauchpetarden, um ihrem Unmut über die neue Route des Fanmarschs Luft zu verschaffen.

Ein Augenzeuge berichtet: «Obwohl sich die Fans auf die neue Route begaben, rannten einige von ihnen bereits nach dem Aarezentrum links die Unterführung Mittlere Strasse herunter und gaben den anderen gleichzeitig das Kommando zum Angriff auf die Polizei.»

Dabei hätten die Fans die Polizisten mit Eisenstangen beworfen und ein Gitter von einer Baustelle als Schutzschild verwendet. «Die Polizisten wurden mit Steinen und Flaschen beworfen, deshalb mussten kurzzeitig Mittel eingesetzt werden», bestätigt ein Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Mit Mittel meinte er Gummischrot.

Marsch abgebrochen

Um Szenen wie diejenigen nach dem Match zwischen dem FC Thun und GC vom 15. Dezember zu verhindern, legten die Thuner Behörden für alle Fanmärsche eine neue Route fest. Diese galt gestern erstmals für die YB-Fans, welche den deutlich längeren Weg jedoch nicht akzeptierten. Nach nur 600 Metern und zwei längeren Stopps wurde der Marsch zum Stadion abgebrochen.

«Die YB-Fans wollten schon bei der Unterführung nach der Rampenstrasse unbedingt die gewohnte Route laufen. Wir haben das aber nicht zugelassen, worauf die Fans Flaschen warfen», sagt Peter Siegenthaler (SP), Sicherheitsvorsteher der Stadt Thun. Obwohl die Fans nach längerem Warten doch noch in Bewegung kamen, gab es beim Aarezentrum bereits wieder einen Stopp, bei dem es zu Ausschreitungen und dem Einsatz von Gummischrot durch die Polizei kam.

«Sie wollten unbedingt die Mittlere Strasse hinunterlaufen. Diesen Kompromissvorschlag haben wir aber nicht angenommen und sind hart geblieben», erklärt Siegenthaler. «Die Fans hatten von Anfang an die Wahl zwischen der vorgeschriebenen Route oder der Fahrt mit dem Bus. Weil wir hart geblieben sind und sie nicht die gewünschte Route laufen liessen, mussten die Fans zum Bahnhof zurückkehren.»

150 Fans zurück nach Bern

Zum Stadion gelangte nur ein Teil der rund 500 angereisten Fans. Etwa 150 YB-Anhänger fuhren vor dem Anpfiff mit dem Zug nach Bern zurück. «Darunter befanden sich sehr wahrscheinlich auch Fans mit Stadionverbot», sagt Siegenthaler. «Die restlichen Fans sind pünktlich im Stadion angekommen.»

Die Behörden der Stadt Thun haben die neue Route in einem längeren Prozess ausgearbeitet. Dabei hörten sie auch mehrere Schweizer Fussballclubs an. «Wir haben die Route im Vorfeld bereits mit YB besprochen. Dass eine neue Route notwendig war, haben alle Beteiligten eingesehen», sagt Peter Siegenthaler.

Er zieht eine ernüchternde Bilanz des Spieltages: «Als Behörde kann man es so oder so nicht richtig machen, denn alles, was wir vorschreiben, wird von Fans grundsätzlich nicht akzeptiert», sagt er. «Es gibt eigentlich immer Probleme, wenn etwas Gewohntes verändert wird.» Deshalb habe man sich auch für einen sehr grossen Polizeieinsatz entschieden.

«Der Einsatz war natürlich sehr auffällig, was er auch sein sollte», erklärt Siegenthaler. «Auch der Mitteleinsatz war sicher adäquat. Wenn die Fans den Anordnungen der Polizei nicht Folge leisten, müssen sie damit rechnen, dass es Konsequenzen gibt.»

Wie die Kantonspolizei am Sonntagabend mitteilt, ist es während des Spiels in und um das Stadion zu keinen grösseren Zwischenfällen gekommen. Auch die Abreise der YB-Anhänger sei geordnet und friedlich verlaufen. Nach aktuellem Stand wurde niemand verletzt.

Der alte (kurz) und der neue Fanwalk (lang) im Vergleich. Grafik: Marco Zysset