2017-05-22 18:22

Die Pleite kam mit Ansage

Kiesen

Nach dem Nein vom letzten Freitag zu einem Kredit für neuen Schulraum in Kiesen stehen Gemeinderat und Schule unter Druck. Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Der Eklat war programmiert.

Links vom Schulhaus Kiesen, an der Allmendstrasse, hätte der Container stehen sollen.

Links vom Schulhaus Kiesen, an der Allmendstrasse, hätte der Container stehen sollen.

(Bild: Google Maps)

«Die Gemeindeversammlung sagte Ja zu 800'000 Franken für mehr Schulraum. Vorab musste der Gemeinderat aber heftige Kritik wegen seiner Kommunikation einstecken», schrieb diese Zeitung nach der Gemeindeversammlung in Kiesen vom November 2012. Nach jener vom letzten Freitag hiess es in der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung: «Von allen Seiten wurden die Kommunikation, die mittel- und langfristige Planung oder ganz grundsätzlich die Arbeit des Gemeinderats gegeisselt.»

Dass die Gemeindeversammlung ihrer Regierung die Gefolgschaft dieses Mal verweigerte und den Kauf von sechs Containern für ein Schulzimmer mit Garderobe und Toiletten für 150'000 Franken ablehnte, darf als Eklat mit Ansage bezeichnet werden. Laut Schulkommissionspräsidentin Daniela Bourloud ist der Schulraum in Kiesen seit mehr als zehn Jahren ein Dauerbrenner.

Streit um Pavillon-Neubau

Nach dem Scheitern der angedachten Zusammenarbeit mit Oppligen musste 2012 binnen weniger Monate ein Projekt für einen Pavillonneubau aus dem Boden gestampft, finanziert und umgesetzt werden. Das 800'000-Franken-Geschäft wurde vom Volk ähnlich hitzig diskutiert wie das nun abgelehnte Containerprovisorium, aber letztlich zähneknirschend bewilligt. Schon damals hagelte es Kritik am gedrängten Zeitplan und an der mangelnden Kommunikation seitens des Gemeinderates.

Mehrere Lösungen geprüft

Dieses Mal hätte der Gemeinderat etwas mehr Vorlauf gehabt: Im Herbst 2016 trat die Schulkommission an den Rat heran mit dem Antrag, per Sommer 2017 eine neue Klasse zu eröffnen. Das neue Klassenzimmer im zweiten der beiden Räume im neu ge­bauten Pavillon einzurichten, ist dem Vernehmen nach keine Option, weil dieser Raum allein von der Schule täglich mehrere Stunden gebraucht wird; hinzu kommen Angebote wie Mittagstisch oder KUW. Ferner braucht die Verwaltung ihn als Sitzungs­zimmer, weil das bestehende im Gemeindehaus einem Büro für einen neuen Mitarbeiter weichen muss.

Eine Aufstockung des Pavillons wurde geprüft, aber verworfen, weil sie wohl ebenso viel gekostet hätte wie damals der Neubau. In der Folge machte sich die Gemeinde auf die Suche nach einer Lösung und schien eine gefunden zu haben in der Miete eines Raumes in einem Privathaus. Das Statthalteramt habe Machbarkeit signalisiert, beteuerte Gemeindepräsidentin Elsa Meyer am Freitagabend vor versammeltem Volk. Am Ende winkte aber das Schulinspektorat ab, weil die gesetzlichen Anforderungen an einen Schulraum nicht gegeben waren. «Und Geld in den Umbau eines Hauses investieren, das nur zeitlich begrenzt genutzt wird, wollte der Gemeinderat nicht», sagte Elsa Meyer.

Seit Anfang Jahr ein Thema

Das war Ende 2016 – sodass der Gemeinderat erst Anfang 2017 die Planung der nun vorgelegten Containerlösung in Angriff nehmen konnte. Einmal mehr drängte plötzlich die Zeit in Kiesen. Obwohl der Gemeinderat betont, er habe «alle zuständigen Stellen» involviert, begann es im Dorf zu brodeln, als die Rede von den Containern war und offenbar wurde, dass der Rat ohne Ein­bezug der Bevölkerung plant. Der Widerstand formierte sich – und entlud sich am Freitag in einem gewaltigen Votengewitter in der Kiesener Turnhalle an einem eigentlich lauen und friedlichen Frühsommerabend.

Die Zeit drängt wieder

Das Ergebnis: Kiesen hat Ende Mai 2017 zwar grünes Licht vom Kanton, im August 2017 eine zusätzliche Klasse zu eröffnen – und damit etwas, wovon viele andere Gemeinden auf dem Land sehnlichst träumen –, aber keinen Raum, in dem die Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden können. Wohl sicherte die Gemeindepräsidentin zu, mit interessierten Bürgerinnen, die ihre Ideen einbringen wollen, in den nächsten zwei Wochen einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten. Ob diese wirklich eine bessere Ideen bringen können, ist indes völlig offen. Und so bleibt am Ende nur die Feststellung, dass die Zeit wieder einmal drängt bei der Schulraumplanung in Kiesen.

Thuner Tagblatt