2018-04-25 06:27

«Der ÖV ist zu teuer»

Der Preisüberwacher fordert: Reisende sollen in Zug oder Bus nicht mehr bezahlen müssen, als wenn sie sich mit anderen ein Auto teilen.

Hat verhandelt und viele Gespräche geführt: Preisüberwacher Stefan Meierhans. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Hat verhandelt und viele Gespräche geführt: Preisüberwacher Stefan Meierhans. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

  • Mit Stefan Meierhans sprach Janine Hosp

Eigentlich rechnete man damit, dass die Mobilität unaufhaltsam wächst. Nun zeigt sich: Im 1. Quartal 2018 sind die Passagiere in öffentlichen Verkehrsmitteln weniger Kilometer gefahren. Weil sie zu teuer sind?
Der allergrösste Teil der Fahrgäste, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, sind gefangene Kunden. Sie sind darauf angewiesen, dass sie mit Bus oder Zug zur Arbeit fahren können. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, als höhere Preise zu zahlen. Ich glaube deshalb nicht, dass die Preise der Grund für den Rückgang sind. Meiner Meinung nach sind die öffentlichen Verkehrsmittel aber tatsächlich zu teuer. Preislich können sie nicht mehr mithalten, wenn mehrere Personen zusammen in einem Auto fahren. An diesem Preis muss sich der öffentliche Verkehr orientieren.

Erstmals seit Jahren steigen die Preise im nächsten Jahr nicht. Dank Ihnen?
Ob wegen mir alleine, kann ich nicht beurteilen. Aber ich habe über viele Monate hinweg verhandelt und intensive Gespräche geführt. Mir lag vor allem daran, dass die ÖV-Branche die Mehrwertsteuersenkung um 0,3 Prozent weitergibt; das wollten sie ursprünglich nicht. Damit die Fahrgäste die Reduktion auch spüren, werden die Preise nun um durchschnittlich 1 Prozent gesenkt. Vor allem Einzelbillette werden spürbar günstiger. Ich freue mich, dass sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass mit den heutigen Preisen das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Wären Sie eingeschritten, wenn die Preise wiederum erhöht worden wären?
Es wäre auf die Begründung angekommen. Ich wäre jedenfalls gespannt gewesen, wie eine nochmalige Erhöhung begründet werden kann.

Generalabonnement-Besitzer profitieren jedoch nicht von einer tieferen Mehrwertsteuer.
Das war der Deal: Sie profitieren nicht von der Mehrwertsteuersenkung, dafür müssen sie nicht mehr 10 Franken bezahlen, wenn sie ihr GA hinterlegen.

10 Franken sind nicht viel.
Nein. Damit haben wir aber eine psychologische Barriere abgebaut, um das GA zu hinterlegen. Künftig wird das auch telefonisch möglich sein. Mit einer Hinterlegung können GA-Besitzer viel Geld sparen, nämlich bis zu 8 Prozent des Preises. Das Jahres-GA mit monatlicher Bezahlung hingegen wird deutlich günstiger. Dafür habe ich mich eingesetzt, denn deren Besitzer können sich oft kein Jahres-GA leisten.

Würde mehr Wettbewerb die Preise senken? Der Bundesrat will das Monopol der SBB aufweichen.
Der Vorschlag ist erst in der Vernehmlassung, und offenkundig ist niemand damit zufrieden. Aber nein, die Preise würden dadurch nicht sinken; die Verkehrsunternehmen in der Schweiz sind an ein einheitliches Tarifsystem gebunden. Ich sitze gerade in der Südostbahn. Sie hat andere Wagen, andere Durchsagen. Mehr Wettbewerb könnte höchstens die Qualität erhöhen.