2018-04-14 11:10

Hier werden die Kadaver gesammelt

Niederbipp

Am Montag ­öffnet die neue Tierkadaversammelstelle in der Hübelimatt. Sie dient allen elf Gemeinden der Subregion Oberaargau Nord.

Remo Siegenthaler vor einem Container, in dem bald tote Tiere liegen.

Remo Siegenthaler vor einem Container, in dem bald tote Tiere liegen.

(Bild: Marcel Bieri)

  • Béatrice Beyeler

    Béatrice Beyeler

Die Tierkadaversammelstelle am Murmeliweg in Oberbipp wird geschlossen. Dafür eröffnet am Montag eine neue Anlage in Niederbipp ihre Tore. Grund für den Standortwechsel sind die Ausbaupläne der Volg Konsumwaren AG. Diese erweitert ihre Verteilzentrale in Oberbipp.

Der Verein Regionale Kadaversammelstelle habe die Kaufanfrage als Chance betrachtet, sagt Präsident Remo Siegenthaler. Seien an der etwa 30-jährigen Anlage doch eher früher als ­später diverse Sanierungsarbeiten nötig geworden.

Idealer Standort

Mit dem von Volg überwiesenen Geld hat der Verein nun eine neue Anlage am Herrenzehntenweg in Niederbipp bauen lassen. Über den Kostenpunkt will Remo Siegen­thaler keine Auskunft geben. Dass die neue Sammelstelle ­unmittelbar neben dem kom­munalen Entsorgungswerkhof zu stehen komme, sei Zufall. «Die Betriebe laufen unabhängig ­voneinander», sagt der Vereins­präsident. Der neue Standort auf dem Land der Gemeinde Niederbipp sei aber ideal gelegen.

In den letzten Tagen wurden noch diverse Abschlussarbeiten durchgeführt, Anfang Woche wird die Sammelstelle nun eröffnet. Die Öffnungszeiten bleiben analog denjenigen in Oberbipp: Von Montag bis Samstag zwischen 13 und 14 Uhr können ­Besitzer ihre verstorbenen Haus­tiere abgeben.«Die Anlage ist in dieser Zeit stets betreut», betont Siegenthaler. Tote Tiere können also nur dann und nicht unbeaufsichtigt entsorgt werden.

Vom Hamster bis zum Kalb

Vom Kanarienvogel über den Hamster, die Katze und den Hund bis hin zu Kälbern mit einem Gewicht von maximal 200 Kilogramm nimmt die Kadaversammelstelle alle Tiere entgegen. «Grössere Nutztiere werden direkt auf den Bauernhöfen abgeholt», sagt der Präsident.

«Grössere Nutztiere werden direkt auf den Bauernhöfen abgeholt.»Remo Siegenthaler

Containerweise werden die Kadaver in Kühlzellen in der Hübelimatt aufbewahrt. Diese werden einmal pro Woche von der Seeländer Firma GZM AG geleert. Per Lastwagen werden die toten Tiere danach nach Lyss ins Extraktionswerk transportiert und dort verbrannt. Die Überreste können letztlich als Brenn- oder Treibstoffe eingesetzt werden. Das Unternehmen verarbeitet etwa 100 000 Tonnen sogenannter tierischer Reststoffe im Jahr, wie auf seiner Website zu lesen ist. Das sind etwa zwei Drittel der in der ganzen Schweiz anfallenden «Risikomaterialien» wie Schlachtabfälle und eben Tierkörper.

Aus der Viehversicherung

In der Regionalen Kadaversammelstelle des Bipperamts kommen jährlich etwa 56 Tonnen zusammen. Ihr sind die elf Gemeinden der Subregion Oberaargau- Nord angeschlossen. Der Verein Regionale Kadaversammelstelle fungiert als Betreiber. «Unsere Organisation wurde ursprünglich aus der Viehversicherung der elf Gemeinden heraus gegründet», so der Präsident.

Früher durften Landwirte Notschlachtungen noch durch einen sogenannten Störmetzger durchführen lassen. Daher befand sich am alten Standort in Oberbipp auch ein Schlachthof. Dies ist heute aber nicht mehr erlaubt. «Deshalb wurde in Niederbipp einzig eine Sammelstelle gebaut», erklärt Remo Siegen­thaler.

Berner Zeitung