2019-06-01 08:13

Syrische Kinder dürfen in der Schweiz bleiben

Hondrich

Das Berner Obergericht hat in einem Fall von Kindesentführung einen Entscheid getroffen.

Im Gegenlicht: Die syrische Mutter und ihre beiden Kinder sollen nicht erkennbar sein – zu ihrem eigenen Schutz.

Im Gegenlicht: Die syrische Mutter und ihre beiden Kinder sollen nicht erkennbar sein – zu ihrem eigenen Schutz.

(Bild: Jürg Spielmann)

  • Christoph Buchs

Mehrmals berichtete diese Zeitung letztes Jahr über das Schicksal der Syrerin R. O.*. Diese flüchtete im Jahr 2015 im Rahmen eines Familiennachzugs von ihrer Heimat in ein nordeuropäisches Land, wo sie gemäss eigenen Angaben von ihrem Ehemann derart misshandelt wurde, dass sie eine weitere Flucht als einzigen Ausweg sah. Mit ihren zwei jüngeren Kindern (heute 13 und 10 Jahre alt) reiste sie in die Schweiz und landete im Durchgangszentrum Bärgsunne in Hondrich.

Der älteste Sohn blieb beim Vater. R. O. und die jüngeren Kinder hätten gemäss Beschluss des Staatssekretariats für Migration (SEM), gestützt vom Bundesverwaltungsgericht, die Schweiz wieder in Richtung des nordeuropäischen Ersteinreiselandes verlassen müssen. Später widerrief das SEM seinen eigenen Entscheid.

Der Ehemann von R. O. beantragte die Rückführung der beiden jüngeren Kinder. Er berief sich auf das Haager Übereinkommen über Kindesentführungen. Dieses stellt sicher, dass entführte Kinder innerhalb der Länder, die unterzeichnet haben, wieder zurückgebracht werden. Auch die Schweiz hat unterzeichnet.

Der Fall landete beim Obergericht des Kantons Bern. Dieses hat nun, nach Anhörung der Mutter, des Vaters sowie des mittleren Kindes, entschieden: Da sowohl Mutter wie auch Kinder traumatisiert waren und insbesondere den Kindern bei einer Rückführung erheblicher psychologischer Schaden droht, dürfen die Kinder in der Schweiz bleiben. Dies hat der «Bund» am Freitag berichtet. Der Antrag des Vaters wurde abgewiesen. Bemerkenswert sei, dass der Wille des Kindes hoch gewichtet worden sei, wird Privatrechtsexperte Andreas Bucher zitiert.

*Name der Redaktion bekannt

Berner Oberländer