2019-10-06 17:02

Wackers Raemy zeigt Suhr-Spieler an

Wacker Thuns Schlüsselspieler Nicolas Raemy hat Milan Skvaril nach dessen heftiger Aktion in der Playoff-Partie vom Frühling angezeigt. Der Tscheche verlässt in diesen Tagen Suhr, stellt sich aber dem Verfahren.

Milan Skvaril (oben) drückt mit dem Arm auf den am Boden liegenden Nicolas Raemy.

Milan Skvaril (oben) drückt mit dem Arm auf den am Boden liegenden Nicolas Raemy.

(Bild: Christian Pfander)

  • Adrian Horn

    Adrian Horn

Um 20.15 Uhr und damit gewissermassen zur Primetime startete Wacker am Samstag in die Europapokalsaison, die Thuner gastierten in der 2. Qualifikationsrunde des EHF-Cups im belgischen Bocholt. Diesseits der Landesgrenze aber machte ein Akteur Schlagzeilen, der gar nicht auflief. Die «Aargauer Zeitung» berichtete an jenem Tag, Suhr-Spieler Milan Skvaril sei von Nicolas Raemy angezeigt worden.

Der Tscheche hatte seinen Vertrag kürzlich aufgelöst, er wird am Mittwoch verabschiedet werden und in seine Heimat zurückkehren. Die Zeitung vermutet einen Zusammenhang mit dem abrupten Abgang und der Anzeige des für die Berner Oberländer tätigen Luzerners, hielt aber auf Berufung der Clubverantwortlichen fest, Skvaril werde sich dem Verfahren stellen.

Der damalige Suhr-Topskorer hatte im April dieses Jahres in der vierten Partie der Playoff-Viertelfinal-Serie ein rüdes Foul am Wacker-Schlüsselspieler begangen und drückte anschliessend seinen Arm gegen den Hinterkopf des am Boden liegenden Linkshänders – welcher im Herbst 2016 ein Schleudertrauma erlitten hatte und unter anderem wegen anhaltender Kopfschmerzen für nahezu eineinhalb Jahre ausgefallen war.

Skvaril sah die Blaue Karte und wurde mit einer Sperre von zwei Begegnungen gebüsst, bevor diese auf eine Partie reduziert wurde, was bei den Thunern freilich auf Unverständnis stiess. Raemy verpasste den Rest des Matchs sowie zwei weitere Spiele, ehe er im Verlauf der Vorschlussrunde gegen Pfadi Winterthur überraschend sein Comeback gab. Derzeit pausiert der MVP der letzten Saison, nachdem er sich im Sommer den Mittelfussknochen gebrochen hat.

Gegen den Aufbauer aus Tschechien läuft ein Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Bern, unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Der auf Mallorca in den Ferien weilende Wacker-Präsident Georges Greiner sagt, er habe Kenntnis von der Anzeige, welche sein Spieler eingereicht habe.

Er hält fest, dass es sich um einen Entscheid handle, welcher vom Akteur getroffen worden sei, und betont, dass er vollstes Verständnis für dessen Vorgehen habe. «Eine derart brutale Aktion wie jene von Milan Skvaril hatte ich in 50 Jahren Handball davor nie erlebt.» Und aussergewöhnliche Ereignisse erforderten aussergewöhnliche Massnahmen.

Die Kritik aus dem Aargau

Vonseiten Wackers nimmt vorerst einzig Greiner, ein pensionierter Bundes- und Oberrichter, Stellung zur Angelegenheit. Die Thuner hatten das Verfahren nicht kommuniziert; sie registrierten am Samstag, dass die Suhrer «den Gang an die Öffentlichkeit gewählt haben», wie es der Präsident ausdrückt.

Die Anzeige schlägt in der Szene hohe Wellen. In einer Einordnung schrieb die «Aargauer Zeitung» von einer «im höchsten Grad unsportlichen» Aktion Raemys. Das ist eine eher sonderbare Betrachtung der Dinge.