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Thun verlässt TabellenendeAuf die Gala folgt die Abwehrschlacht

Thun erwischte gegen Zürich einen Traumstart, führte nach 20 Minuten 3:0. Doch am Ende mussten die Oberländer noch um den Sieg zittern, siegten aber 3:2.

Simone Rapp bejubelt seinen Führungstreffer für den FC Thun.
Simone Rapp bejubelt seinen Führungstreffer für den FC Thun.
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Thuns Trainer Marc Schneider war vor dem Duell gegen den FC Zürich nicht zu beneiden, musste er doch auf mehrere Stammspieler verzichten. Der rechte Aussenverteidiger und Captain Stefan Glarner, sowie Mittelfeldspieler Miguel Castroman fehlten gesperrt, derweil der linke Aussenverteidiger Chris Kablan wegen einer Verletzung zum Zuschauen verdammt war.

Zudem verordnete Schneider seinem Stürmer Ridge Munsy überraschend eine Pause, obschon der Sturmtank in den letzten sechs Spielen in Folge jeweils einen Treffer für den FCT gebucht hatte. Für Munsy stürmte der Tessiner Simone Rapp an der Seite von Hassane Bandé. Und auch der andere Tessiner der Thuner, Flügelspieler Matteo Tosetti, bekam wieder einmal eine Chance in der Startaufstellung.

Tessiner Startfurioso

Bereits nach 20 Minuten konnte konstatiert werden: Trainerfuchs Schneider hatte mit seinen Rochaden vieles richtig gemacht. Denn trotz der vielen Umstellungen präsentierten sich die Oberländer in der Startphase als homogene, freche Equipe. Sie wirkten frisch, waren aufsässig und setzten früh die ersten Duftmarken im Strafraum der Zürcher. Thun trumpfte auf, als gäbe es kein morgen mehr und belohnte sich nach elf Minuten mit dem Führungstreffer: Innenverteidiger Basil Stillhart hatte Nias Hefti, der Kablan im linken defensiven Couloir vertrat, mit einem genialen Pass in die Schnittstelle der Zürcher Abwehr auf die Reise geschickt.

Hefti legte den Ball aus dem Lauf in die Mitte, wo der heranbrausende Simone Rapp den Ball problemlos zum 1:0 über die Linie drückte. Keine drei Minuten später legte mit Tosetti auch der zweite Tessiner des FCT nach und buchte mit einem satten Abschluss das 2:0. Und einmal im Fluss, stellte Grégory Karlen mit einem traumhaften Schlenzer ins rechte obere Eck nach 20 Minuten sogar auf 3:0.

Zürcher Tore aus dem Nichts

War das bereits die Entscheidung nach 20 Minuten? Mitnichten! Denn der Fussball bietet mitunter absurde Geschichten. Abstimmungsprobleme bei Thun nach einem Zürcher Eckball bescherten dem FCZ den 1:3-Anschlusstreffer quasi aus dem Nichts (31.). Das beeindruckte die Oberländer zwar noch nicht, sie hatten auch in der Folge alles im Griff. Allerdings nur bis kurz vor der Halbzeitpause. Nach einem FCZ-Freistoss zupfte Basil Stillhart im Strafraum am Trikot eines Zürchers. Schiedsrichter Lionel Tschudi konsultierte den Videobeweis, entschied auf Elfmeter und schickte den bereits verwarnten Stillhart mit der Ampelkarte vom Platz. Benjamin Kololli verkürzte vom Punkt auf 2:3 und sorgte somit für eine komplett neue Ausgangslage im zweiten Spielabschnitt.

Verdienter Lohn

Was aus Thuner Sicht mit einer Gala begonnen hatte, mutierte zu einer Abwehrschlacht. Der FCZ versuchte die nummerische Überzahl unmittelbar nach der Pause zu nutzen, entfachte energisch Druck und suchte den Ausgleich. Mit Glück und Geschick überstand der FCT jedoch die ersten heiklen Momente. Nach ungefähr einer Stunde stellte Thuns Trainer Schneider von einem 4-3-2- auf ein 4-4-1-System um. Der FCT kontrollierte die Zürcher durch diesen taktischen Kniff besser und schafften es sogar hie und da selber für etwas Entlastung zu sorgen. Selbst als der FCZ in den letzten Spielminuten alles nach vorne warf, hielten die Thuner ihren Kasten sauber und brachten den Sieg über die Runden.

Es war der verdiente Lohn für eine in der Startphase spielerisch herausragende und am Ende kämpferisch überragende Leistung. Und es kam noch besser: Weil Abstiegskonkurrent Xamax gegen St. Gallen verlor, gibt Thun zum ersten Mal seit dem 9. Spieltag die rote Laterne ab und hat nun sogar drei Punkte Vorsprung auf die Neuenburger.