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Ganze Stadt oder nur AltstadtBerner Stadtrat uneins über Feuerwerkverbot

Der Berner Gemeinderat will Feuerwerk in der Innenstadt verbieten. Doch während sein Vorschlag den einen im Stadtrat bereits zu weit geht, wollen andere das Verbot aufs ganze Stadtgebiet ausdehnen.

Der Berner Stadtrat berät über ein Feuerwerksverbot in der Stadt. Entscheide trifft er erst in der zweiten Lesung des entsprechenden Reglements.
Der Berner Stadtrat berät über ein Feuerwerksverbot in der Stadt. Entscheide trifft er erst in der zweiten Lesung des entsprechenden Reglements.
Foto: Manuel Zingg

Am Feuerwerk-Verbot, das der Berner Gemeinderat durchsetzen will, scheiden sich die Geister. Das zeigte sich gestern bei der ersten Lesung des entsprechenden Reglements im Stadtrat. Für manche geht der Vorschlag des Gemeinderats zu weit, der Feuerwerkskörper in der Innenstadt verbieten will. Andere wollen das Verbot aufs ganze Stadtgebiet ausdehnen.Entscheide wurden in der Angelegenheit noch keine gefällt.

Der Gemeinderat hält ein Verbot im Stadtzentrum für nötig, weil es dort in den letzten Jahren wiederholt zu heiklen Szenen gekommen sei. Die Sicherheitsabstände zu Menschen, Gebäuden und brennbaren Materialien könnten in der Innenstadt kaum eingehalten werden. Dass noch nichts Schwerwiegendes passiert sei, grenze an ein Wunder.

Der SVP geht die Regelung zu weit. Sie möchte, dass zumindest das Abbrennen von «Stöckli» und kleinen Vulkanen erlaubt bleibt. Man dürfe doch nicht Familienväter kriminalisieren, die an einem Fest mal einen Vulkan zündeten, sagte SVP-Fraktionspräsident Alexander Feuz. Zwar stinke es am 1. August in Bern gewaltig, je nach Windverhältnis auch wegen dem Feuerwerk auf dem Gurten, fügte Parteikollege Hans Ulrich Gränicher hinzu. Trotzdem sei ein generelles Verbot für «stadtverträgliches Feuerwerk» nicht angebracht.

Belastung für Tier und Mensch

Ganz anders sieht es Manuel C. Widmer (GFL). Man müsse kein Grüner sein, um die negativen Auswirkungen von Feuerwerk auf die Umwelt zu erkennen. Einer Stadt wie Bern stünde es gut an, ein vollständiges Feuerwerksverbot auf dem ganzem Stadtgebiet auszusprechen.

Unterstützung fand Widmer bei der Freien Fraktion. Besonders für Kriegsflüchtlinge sei die Knallerei eine starke psychische Belastung, und auch Tiere litten darunter, sagte Luzius Theiler (GaP). Wie die Debatte zeigte, könnte der Mittelweg des Gemeinderats mehrheitsfähig sein. Dessen Vorschlag kam grundsätzlich bei allen Fraktionen gut an, namentlich auch bei SP/Juso-, GLP-, BDP/CVP- und FDP-Fraktion. Die GB/JA-Fraktion schwankt zwischen dem Ärger über Feuerwerk und der Furcht, es werde hier überreglementiert.

Neu ist das Anliegen eines Feuerwerkverbots nicht. 2014 scheiterte eine ähnliche Vorlage knapp im Stadtrat. Der Gemeinderat nahm nun einen neuen Anlauf aufgrund einer seit letztem Jahr hängigen Motion. Auch die Vereinigten Altstadtleiste drängen auf ein Feuerwerksverbot im Unesco-Perimeter.

Eine Lösung der Frage sei brennend, sagte Gemeinderat Reto Nause (CVP). Nicht nur die Leiste hätten sich besorgt an ihn gewandt. Auch hätten ihn Videos aus der Bevölkerung erreicht, auf denen unter Altstadt-Dächern explodierende Raketen zu sehen seien oder Böller, die auf der Münsterplattform inmitten von Menschenmengen gezündet wurden.

Andere Städte haben Feuerwerke schon vor längerer Zeit verboten. In der Thuner Altstadt zum Beispiel ist Pyromaterial seit 2002 grundsätzlich untersagt. Auch zahlreiche Städte in Deutschland, Österreich und Italien haben zum Schutz ihrer historischen Innenstädte ein entsprechendes Verbot erlassen.

Kein offizielles Feuerwerk

Klar ist, dass es am kommenden 1. August in Bern noch keine gesetzliche Grundlage geben wird, die das Abbrennen von Feuerwerk explizit verbieten oder regeln würde. Aufgrund der Corona-Pandemie ist aber ohnehin offen, wie die Bevölkerung dieses Jahr den 1. August feiern wird.

Die offizielle Feier wurde jedenfalls bereits abgesagt. Auch hat der Gemeinderat im April beschlossen, dass es in Bern künftig kein offizielles Feuerwerk mehr geben wird. Zur Begründung verwies die Stadtregierung auf die Lärmemissionen, die Abfallproblematik und die ökologischen Konsequenzen.

sda/tag