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Probleme mit der HüfteCorona bewahrte Hirschi vor Operation

Der Berner Radprofi Marc Hirschi ist wieder schmerzfrei. Der 21-Jährige aus Ittigen freut sich nun auf den Saisonstart.

Marc Hirschi bestreitet seine zweite Profisaison.
Marc Hirschi bestreitet seine zweite Profisaison.
Foto: Team Sunweb/Patrick Brunt

Als die Schmerzen im Frühjahr unerträglich wurden, schien eine Operation die einzige Lösung. Marc Hirschi plagten Hüftprobleme. Jede Pedalumdrehung tat weh. Durch die Beugung des Beines entstand eine Reibung in der Hüftpfanne (Impingement). Während Schweizer Ärzte dem Berner zu einem Eingriff rieten, plädierte der holländische Arzt seines World-Tour-Teams Sunweb (GER) zu einer alternativen Behandlung. Letztlich entschieden nicht die Ärzte, sondern die Corona-Krise. Nicht zwingende Operationen wurden während des Lockdown in den Spitälern untersagt. Drei Monate später berichtet Hirschi in Ittigen: «Ich bin froh, wie es gekommen ist. Die Schmerzen sind auch ohne Operation verschwunden.»

Der U-23-Welt - und Europameister von 2018 hat die Sitzposition auf dem Velo geändert, dazu viel in Physiotherapie und Übungen zur Körperstabilität investiert. «Corona hat mir Zeit verschafft. Ohne Renndruck konnte ich mich voll der alternativen Behandlung widmen. Jetzt bin ich zuversichtlich, dass ich die anstehenden Wettkämpfe ohne Schmerzen absolvieren kann. Sollten diese zurückkehren, muss ich Ende Saison über die Bücher.»

Erste «grosse» Verletzung

Hirschi gesteht, dass ihn der erste Rückschlag in seiner noch jungen Karriere zwischenzeitlich verunsichert habe. Ein entzündeter Schleimbeutel im Knie oder eine Narbe am Kinn waren bis anhin die schlimmsten Blessuren. «Hier war vieles ungewiss, am Anfang fehlte mir auch eine klare Diagnose. Aber wie gesagt: Jetzt ist gut.»

Schon im April habe er gespürt, dass es gesundheitlich bergauf gehe. Entsprechend hat er auch während des Lockdown nie eine Trainingspause eingeschaltet. Die Monate zu Hause bei der Familie bezeichnet er als cool und als spezielle Erfahrung, reist er sonst in dieser Zeit von Rennen zu Rennen und ist selten daheim. «Aber nun darf es ruhig wieder etwas mehr Abwechslung geben. Ich bin jedenfalls froh, geht es bald los.»

An der Tour de France?

Bei der ursprünglichen Saisonplanung hatte das Team Hirschi erstmals für die Tour de France vorgesehen. Ob es dabei bleibt, ist aktuell nicht entschieden. «Klar ist erst, dass wir mit dem Team im Juli ein dreiwöchiges Höhentrainingslager zur Vorbereitung der Saison absolvieren werden.» Egal, welche Rennen Hirschi danach bestreiten wird, die Termine folgen Schlag auf Schlag. Nach den Eintagesklassikern im August folgt die Tour de France, unmittelbar danach die Heim-WM Ende September in Aigle-Martigny, bevor im Oktober der Giro und die Vuelta anstehen. «Neben der körperlichen Fitness ist für die kurze, stressige Saison auch eine mentale Frische wichtig», weiss Hirschi. Bleibt er von neuen Hüftproblemen verschont, verfügt er über beide Komponenten.