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Der Saisonstart steht bevor«Endlich wieder ein Ziel vor Augen»

Der Rennkalender der Mountainbiker nimmt nach dem Lockdown langsam wieder Gestalt an. Das freut den Oberaargauer Vizeweltmeister Mathias Flückiger.

Der Berner Mathias Flückiger sehnt sich nach den Wettkämpfen.
Der Berner Mathias Flückiger sehnt sich nach den Wettkämpfen.
Foto: Fuchs / Thömus RN Racing Team

Zuerst sind die geplanten Schweizer Meisterschaften in der olympischen Mountainbike-Disziplin in Montsevelier wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Danach musste der Austragungsort im Jura ganz absagen. Nun hat der nationale Verband Swiss Cycling einen Ersatzort gefunden. Die SM im Cross-Country findet jetzt vom 24. bis 26. Juli wie im Vorjahr im aargauischen Gränichen statt. «Es wird das erste Rennen zurück auf dem Weg zur Normalität sein, entsprechend hoch ist die Wichtigkeit dieses Anlasses», sagt Mathias Flückiger.

Der 31-jährige Oberaargauer aus Leimiswil befand sich in Italien im Trainingslager, als die Corona-Krise immer ernster und schlimmer wurde. «Am letzten Tag, bevor die Grenzen geschlossen wurden, bin ich heimgefahren.» In einer ersten Phase habe er dann den Lockdown genossen, erzählt Flückiger. «Der Rennstress fiel weg, ich schätzte die Ruhe.» Obwohl er gern zu Hause sei, hätte ihm aber ein Monat gereicht, fügt er an.

Sinnfrage gestellt

Als immer mehr Anlässe abgesagt wurden, hat der WM-Zweite von 2019 trotzdem weitertrainiert. «Aber natürlich kam die Sinnfrage auf. Ich bike gern, darf als Profi meinen Traum leben, gleichwohl fiel es mir schwer, konsequent und mit aller Entschlossenheit zu trainieren. Denn nur zum Plausch muss ich ja nicht topfit sein.» Deshalb hat ihm auch die SM-Ankündigung von Swiss Cycling geholfen. «Endlich habe ich wieder ein Ziel vor Augen. Jetzt fällt mir das Training deutlich einfacher.» Seit einer Woche bereitet er sich im Engadin mit der Nationalmannschaft auf die Wettkämpfe vor.

Der Schweizer Meister von 2018 möchte sich das Trikot mit dem Kreuz zurückholen, nachdem er sich im Vorjahr in Gränichen Nino Schurter geschlagen geben musste. Ab September sollten dann auch die Weltcup-Rennen starten. Im Oktober sind die Weltmeisterschaften in Leogang vorgesehen. Der Österreichische Veranstalter ist für Albstadt eingesprungen. Die Deutschen mussten wegen der Pandemie kapitulieren. Diese WM-Absage schmerzte Flückiger mehr als diejenige der Olympischen Spiele. «Die Strecke in Albstadt liegt mir, dort habe ich vor einem Jahr meinen zweiten Weltcupsieg gefeiert. Deshalb tat dieser Entscheid weh. Die Olympischen Spiele dagegen sind zum Glück nur verschoben und nicht abgesagt.»

Die virtuelle ist nicht seine Welt

Dass Tokio 2021 stattfinde, sei wichtig, betont der Berner. «Dass die Sommerspiele absehbar bleiben und jetzt wieder nationale und internationale Wettkämpfe anstehen, hilft nicht nur uns Fahrern, sondern unserem Sport generell. Auch die Sponsoren erhalten dadurch eine Perspektive und bleiben eher an Bord.»

Und vor allem weiss Flückiger wieder, für was er mit aller Entschlossenheit trainiert. Denn die drei vergangenen Monate haben ihm trotz allen Schwierigkeiten gezeigt, wie stark er seinen Beruf liebt. «Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Bike in der Natur von A nach B zu kommen.» Denn daheim im Keller auf einer Rolle zu strampeln, würde er als Gräuel bezeichnen. Eine Anfrage für das virtuelle Rennen der Tour de Suisse, das «Digital Swiss 5», lehnte er ab. «Ich finde es cool, ist es organisiert worden. Aber ich bin nicht der Typ für solche virtuellen Sachen. Das hat mit dem Ursprung des Sports nichts zu tun, ist nicht authentisch und bereitet mir keinen Spass.»