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Live im Free-TVHeute kann ein Thuner ins Pokalfinale einziehen

Stephan Andrist kämpft mit Überraschungsclub Saarbrücken um die Teilnahme am wichtigsten Spiel im deutschen Vereinsfussball. Es wäre der Höhepunkt einer ereignisreichen Karriere.

Gipfelstürmer in der Stockhorn-Arena: Stephan Andrist spielt 2011 beim FC Thun gross auf, ehe er nach Basel wechselt.
Gipfelstürmer in der Stockhorn-Arena: Stephan Andrist spielt 2011 beim FC Thun gross auf, ehe er nach Basel wechselt.
Foto: Andreas Blatter

Die Geschichte des Fussballers Stephan Andrist enthält so viele Wendungen wie einer dieser heillos überladenen Thriller, in denen das Geschehen alle paar Minuten auf den Kopf gestellt wird. Sie beginnt bereits kurios: zufällig.

Im Herbst 2007 coacht René van Eck den FC Thun; er tut das zunehmend ohne Fortune. Als ein Testspiel gegen den französischen Club Strasbourg auf dem Programm steht, nimmt er Andrist mit, den talentierten Flügel aus der U-21. Er macht das auch deswegen, weil dieser in der Meisterschaft gesperrt ist, nachdem er im letzten Ligaspiel des Feldes verwiesen wurde. Der 19-Jährige nutzt die unverhoffte Chance, er trifft in besagter Begegnung und imponiert van Eck so sehr, dass dieser beginnt, ihn regelmässig in der Super League einzusetzen.

Das Eigengewächs gefällt im Oberhaus durch seine geradlinige Spielweise und sein unbekümmertes Auftreten, er ist ein Gewinn für eine erstaunlich schwach besetzte Mannschaft, in der es an Offensivpotenzial mangelt.

Der Sex-Skandal, der Abstieg, die Wett-Affäre, der Aufstieg, der Umzug vom Lachenstadion in die Stockhorn-Arena: Der FC Thun erlebt in der Folge seine bewegendsten Jahre. Andrist schlägt sich derweil mit Verletzungen herum, Schien- und Wadenbein bricht er sich gleich mehrmals, und die Pause dauert so lange, dass der gelernte Plattenleger um die Fortsetzung seiner Profikarriere bangt.

Der Berner Oberländer erholt sich, er ist nun genesen, und Coach Murat Yakin setzt vermehrt auf den schnellen, torgefährlichen Aussenläufer. Als der Club beginnt, seine Heimspiele in der Stockhorn-Arena auszutragen, spielt Andrist gross auf. Er ist nun eine Figur der Liga, das Schweizer Fernsehen widmet ihm ein Porträt. Mitten in der Saison wechselt er zum FC Basel, dem damals klar besten Verein des Landes. Der Zuzug überzeugt zunächst, er trifft etwa im Heimspiel gegen GC, und zwar vor den Augen Roger Federers, seines Idols.

Auf Dauer aber setzt sich der Thuner nicht durch. Es beginnt eine schwierige Zeit, Andrist lernt so manchen Super-League-Club von innen kennen und kriegt wegen unbedarfter Aussagen («Ich bin ein Schwalbenkönig und stehe dazu») ein Imageproblem.

2015 wechselt er nach Deutschland, bei Traditionsverein Hansa Rostock an der Ostsee ist er vorübergehend Hoffnungsträger. Zwischenzeitlich vertraglos, ist der 32-Jährige mittlerweile bei Viertligaclub Saarbrücken beschäftigt. Dieser hat sich im Pokal sensationell für den Halbfinal qualifiziert, obwohl Andrist zuletzt gegen Düsseldorf im Elfmeterschiessen scheiterte.

Heute (20.45 Uhr, live in der ARD) empfängt der heftige Aussenseiter Spitzenteam Bayer Leverkusen, freilich vor leeren Rängen. Gewänne der Viertligaclub auch dieses Duell mit einem Bundesligavertreter, stünde er im Pokalfinale, dem grössten Spiel, das der deutsche Vereinsfussball kennt. Andrist sagt, er freue sich riesig. Ob er in der Startaufstellung stehen wird, wusste er gestern Abend nicht. Zum Einsatz kommen dürfte er in jedem Fall. Es wäre der Höhepunkt einer merkwürdigen Karriere.