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Verunsicherte AutorennfahrerJani und die vielen Fragezeichen

Mit dem virtuellen 24-Stunden-Rennen von Le Mans endet am Wochenende für den Berner Neel Jani vorerst die Zeit am Simulator. Wie es weitergeht, bleibt offen.

Neel Jani ist bei seinem Porsche-Team am Samstag für das virtuelle 24-Stunden-Rennen von Le Mans als Startfahrer vorgesehen.
Neel Jani ist bei seinem Porsche-Team am Samstag für das virtuelle 24-Stunden-Rennen von Le Mans als Startfahrer vorgesehen.
zvg

Die Corona-Krise hat mit dem markanten Absatzrückgang in der Automobilindustrie auch den Motorsport arg durcheinandergewirbelt. Verschiedene Hersteller ziehen sich aus verschiedenen Rennserien zurück. So steigt etwa Audi (mit dem Berner Nico Müller) Ende Jahr aus der DTM aus, Porsche verlässt die US-amerikanische IMSA-Langstreckenserie. «Wir erleben eine schwierige Zeit für den Motorsport», bestätigt Neel Jani.

Seit dem Ausbruch der Pandemie musste sich der Bieler Formel-E-Fahrer mit virtuellen Rennen begnügen. Am vergangenen Wochenende endete die «Race at Home Challenge» der Elektroserie. Der Porsche-Fahrer belegte am Schluss den achten Gesamtrang. «Wenn ich bedenke, dass ich Anfang April noch nicht mal einen Simulator zu Hause hatte, bin ich positiv überrascht», bilanziert er. «Und wenn einige Fahrer das Ganze nicht mit Putschautos verwechselt und weniger Crashs verursacht hätten, wäre für mich sogar noch eine bessere Platzierung möglich gewesen.»

24 h Le Mans virtuell

Am Samstag tritt Jani zum legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans an. Der Sieger von 2016 muss sich diesmal allerdings mit einer virtuellen Austragung begnügen. «Der Aufwand ist dennoch immens. Wir sind angehalten, in der Nacht oder bei Regen zu trainieren. Auch ein Setup für die Autos müssen wir finden. Wie sind die Dämpfer oder die Höhe des Autos einzustellen, welche Reifenwahl treffen wir? Wie im echten Rennen braucht es auch hier eine ganzheitliche Strategie für das Team», erzählt Jani. Der Seeländer wird mit Formel-E-Teamkollege André Lotterer und zwei professionellen Simulatorfahrern einen Porsche 911 RSR steuern.

Offene Zukunft

«Dieses Rennen bildet für mich vorerst den Abschluss der virtuellen E-Sports-Welt», sagt Jani. Unglücklich darüber ist er nicht. «Ich bin kein Simulatorfreund, sondern drehe lieber in einem echten Fahrzeug meine Runden.» Doch wie die Zukunft als Rennfahrer für ihn aussehen wird, weiss er nicht. In der Formel E droht er 2021 seinen Platz an den früheren Formel-1-Piloten Pascal Wehrlein zu verlieren. Eine offizielle Bestätigung zu diesem Transfer gibt es nicht. Jani meint bloss: «Es gibt derzeit im Motorsport enorm viele Fragezeichen. Für sehr viele Fahrer ist sehr vieles ungewiss.» Im Sommer wird er mit Porsche ein klärendes Gespräch über seine Zukunft haben. Seit 2013 ist er Werksfahrer bei den Deutschen aus Zuffenhausen. «Wenn es möglich ist, würde ich meine Karriere als Rennfahrer gerne mindestens vier Jahre fortsetzen», hofft der 36-Jährige.