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Nur die Männer dürfen kickenPlötzlich tut der Saisonabbruch weh

Die NLA-Saison wurde abgebrochen, obwohl der Verband den Frauenfussball fördern und auf ein neues Level bringen will. Immerhin gibt es auch ermutigende Nachrichten.

Die YB-Frauen trainieren seit dieser Woche wieder normal. Bis wieder Fussball auf Wettkampfsebene gespielt wird, müssen sie sich allerdings noch gedulden.
Die YB-Frauen trainieren seit dieser Woche wieder normal. Bis wieder Fussball auf Wettkampfsebene gespielt wird, müssen sie sich allerdings noch gedulden.
Iris Andermatt

Nächsten Freitag wird der Ball wieder rollen – zumindest bei den Männern. Die Fussballerinnen gucken wortwörtlich in die Röhre – wieder einmal. Luzern-Spielerin Melanie Müller äusserte im «Zofinger Tagblatt» ihre Enttäuschung; sie fühlt sich vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) benachteiligt.

Während der Verband inmitten der Corona-Pandemie bezüglich Super League und Challenge League zuwartete, wurden alle Amateurligen sowie die NLA der Frauen abgebrochen. Dass der SFV die höchste Liga der Frauen mit dem Breitensport gleichstellt, stiess Müller sauer auf.

«Diesen Entscheid als Beispiel für fehlende Gleichberechtigung zu werten, wäre falsch.»

Tatjana Haenni, Verantwortliche der Abteilung Frauenfussball im SFV

«Die Frauen hätten bei zwölf verbleibenden Runden bis Ende August spielen müssen, um dann ohne Ferien in die neue Saison zu gehen. Dies wäre eine unverantwortliche, sehr hohe Belastung nebst dem Alltag», begründet Tatjana Haenni, die Verantwortliche Frauenfussball beim SFV und Mitglied der Geschäftsleitung, das Vorgehen. «Diesen Entscheid als Beispiel für fehlende Gleichberechtigung zu werten, wäre falsch», erklärt Haenni.

YB-Captain Seraina Friedli sagt dazu: «Im ersten Moment war ich über den Abbruch erleichtert, so herrschte Planungssicherheit.» Mittlerweile empfinde sie – auch aufgrund der Entwicklung der Coronakrise – das vorzeitige Saisonende als bitter, meint die Torhüterin. Und das Gefühl dürfte sich noch verstärken, wenn die YB-Männer wieder spielen.

«Mit dem Cup-Halbfinal im Stade de Suisse wäre nämlich für uns ein Highlight auf dem Programm gestanden», erzählt Friedli. In der Meisterschaft hingegen (5. Platz) wäre sowohl nach oben als auch nach unten wahrscheinlich nicht mehr viel passiert.

Die Schweiz hinkt hinterher

Der Frauenfussball wird global immer populärer. In Deutschland oder England – wo Schweizer Nationalspielerinnen wie Lia Wälti, Alisha Lehmann oder Ramona Bachmann kicken – können die Frauen vom Fussball leben. Auch in Holland oder Belgien ziehen die Ligen mit dem Profigeschäft nach.

Und in der Schweiz? Hier arbeiten oder studieren die allermeisten Frauen neben dem Fussball Vollzeit. Obwohl der Aufwand für den Sport hoch ist, erhalten sie als Entschädigung höchstens Reisespesen und kleine Siegprämien.

Seraina Friedli sagt: «Für die neue Saison war der Abbruch der aktuellen Meisterschaft der bessere Entscheid.»
Seraina Friedli sagt: «Für die neue Saison war der Abbruch der aktuellen Meisterschaft der bessere Entscheid.»
Iris Andermatt

An Ideen und Plänen, den Frauenfussball attraktiver zu gestalten, mangelt es nicht. Um diese möglichst schnell zu realisieren, gründete der Verband im Februar eine «Direktion Frauenfussball». «Wir sind bestrebt, einige Verbesserungen zu erzielen. Wir wählen dabei aber einen Schweizer Weg», sagt Tatjana Haenni.

Überhaupt herrscht hier und da eine gewisse Aufbruchstimmung. Bei GC zum Beispiel soll das Budget der Frauenabteilung (bisher 200'000 Franken) markant und die Anzahl Trainingseinheiten von vier auf acht erhöht werden. «Das ist ein tolles Zeichen von GC», findet die 27-jährige Friedli. Bei den YB-Frauen seien neben den vier Abendtrainings derzeit zwei bis drei Vormittagseinheiten möglich – je nach Belastung durch Job oder Schule.

Vergangene Woche konnte der Verband zudem eine positive Nachricht vermelden: Das Versicherungsunternehmen AXA wird der erste Partner der höchsten Frauenliga und des Cupfinals.