2019-08-13 06:24

Kokain in der Milchtüte, Heroin im Aktenkoffer

Auch im Berner Hauptbahnhof gibt es einen Grenzwachtposten. Dort fand schon so mancher Drogenschmuggel sein Ende.

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Ab Ende 2008 – mit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens – mussten sich Schweizerinnen und Schweizer daran gewöhnen, dass Grenzkontrollen vermehrt im Landesinnern stattfinden. Dabei handelt es sich um nationale Ersatzmassnahmen für den Wegfall der systematischen Personenkontrollen an der Grenze.

Bewaffnete Grenzwächter kontrollieren Menschen und Waren, fahnden nach polizeilich gesuchten Personen, kontrollieren, ob Reisende Waren mitführen, die zollpflichtig oder verboten sind, erheben Abgaben und decken Ausweisfälschungen auf. Mit jedem Kanton besteht eine separate Vereinbarung, wie weit die Kompetenzen der Grenzwächter gehen dürfen. Im Kanton Bern sind diese relativ weitreichend. So dürfen die Grenzbeamten auch Fingerabdrücke und DNA-Proben entnehmen, während in Zürich etwa eine angehaltene Person viel früher der Polizei übergeben wird.

Grenzposten mitten in Bern

Was viele nicht wissen: Auch im Berner Hauptbahnhof gibt es einen Grenzwachtposten. Der Zugang zur Sicherheitszone befindet sich hinter einer unscheinbaren Tür in der Einstellhalle des Postparc. Postenchef ist Martin Rebmann. Den Posten gibt es seit Ende 2008. 30 Mitarbeitende sind hier tätig. Im Untergeschoss befinden sich die Räumlichkeiten für Personenkontrollen.

Auch zwei Festhalteräume gehören dazu – karg eingerichtete, weisse Räume, 8,2 Quadratmeter klein, mit dicker Stahltür gesichert. Am Ende der Sitzbank ist ein Stahlring befestigt, um besonders renitente Personen anzuketten. «Meist aus Selbstschutz», wie Rebmann sagt, «weil Festgenommene auch mal mit dem Kopf gegen die Wand rennen.» Das komme jedoch selten vor.

1,5 Kilo Kokain im Magen

In den oberen Etagen sind Büros. Dort bewahrt der Postenchef auch diverse Fundstücke auf, welche seine Leute in all den Jahren aufgespürt haben. Eine unscheinbare Coop-Tasche mit doppeltem Boden, gefälschte Ausweise und Euronoten, falsche Goldbarren. Und er zeigt Fotos, die von dreisten Versuchen des Drogenschmuggels zeugen: 2 Kilo Kokain in einem Tetrapak Milch, 2,4 Kilo Heroin im Seitenfach eines Aktenkoffers, rund 1,5 Kilo in Fingerlinge abgepacktes Kokain im Magen eines Mannes – gut erkennbar auf einem Röntgenbild.

Laut Rebmann ist nebst dem Schmuggel die illegale Migration eine der Hauptaufgaben der Eidgenössischen Zollverwaltung, zu der das Grenzwachtkorps gehört. Doch in diesem Jahr sei die Lage «ziemlich ruhig». Ganz anders während der Flüchtlingskrise vor vier Jahren, als er im Tessin aushalf. Pro Zug kamen über 300 Flüchtlinge aus Italien. Bis zu sieben Personen quetschten sich in eine Zugtoilette. «So was geht einem nahe», so Rebmann.