2018-11-18 15:54

Zöllner flüchten ins Ausland

92 Schweizer Grenzwächter wohnen in Frankreich, weil sie hierzulande keine bezahlbaren Wohnungen finden.

In Zöllnerkreisen schätzt man, dass bald schon ­mehrere Hundert der insgesamt 2100 Grenzwächter ins Ausland ziehen müssen. Bild: Keystone

In Zöllnerkreisen schätzt man, dass bald schon ­mehrere Hundert der insgesamt 2100 Grenzwächter ins Ausland ziehen müssen. Bild: Keystone

Der Bund will vergünstigte Dienstwohnungen für Grenzwächter abschaffen. Die Zollbeamten müssen künftig Marktmieten zahlen. In sehr teuren Wohngegenden sind viele Appartements für sie aber unerschwinglich. Es bleibt die Flucht ins Ausland. In der Romandie hat der Exodus schon begonnen. Selbst die Zollverwaltung (EZV) hat die Brisanz erkannt.

Mit seiner internen Mitteilung, die Dienstwohnungen abzuschaffen, hat Christian Bock, Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung, seine Mitarbeiter vor den Kopf gestossen. Der Grossteil der 840 Dienstwohnungen soll verkauft werden. Deren Wert: eine Viertelmilliarde Franken.

Im Grossraum Genf, wo Wohnungen extrem teuer sind, dürfte die Massnahme des Bundes für die uniformierten Grenzbeamten ein veritables Problem werden, weil diese nahe an ihrem Arbeitsort wohnen müssen. Nun ertönt ein Hilferuf: «Grenzwächter in der Region Genf befürchten, dass sie ihren Wohnsitz nach Frankreich verlegen müssen, weil die Wohnungen in Genf für sie zu teuer sind», sagt Heidi Rebsamen, Zentralsekretärin der Zöllnergewerkschaft Garanto. Es gebe «bereits heute Zollangestellte, die in Frankreich wohnen, weil sie keine für sie bezahlbare Wohnung im teuren Genf fanden». In Zöllnerkreisen schätzt man, dass bald schon ­mehrere Hundert der insgesamt 2100 Grenzwächter ins Ausland ziehen müssen.

Trotz Berufserfahrung maximal 7634 Franken Lohn pro Monat

Die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Schon heute wohnen nach Auskunft des Bundes 92 Schweizer Zollbeamte in Frankreich. Es dürfte sich um jene Kategorie von Zöllnern handeln, die bereits jetzt kein Anrecht auf eine Dienstwohnung hat. Zum Vergleich: In Deutschland und Italien leben nur sechs respektive sieben Schweizer Zollbeamte. Grenzwächter ohne Kaderfunktion verdienen im Monat im fortgeschrittenen Alter mit viel Berufserfahrung und guten Bewertungen maximal 7634 Franken, die jüngeren wesentlich weniger.

Der Umzug der Grenzwächter ins Ausland hat laut Garanto «einschneidende Konsequenzen für deren Familien, etwa die Kinder, die dann in Frankreich eingeschult werden». Selbst EZV-Direktor Bock ist es bei der Sache nicht mehr so wohl: «Die EZV ist sich der besonderen Lage des Wohnungsmarkts in der Region Genf bewusst.» Man prüfe verschiedene Massnahmen.