2018-11-10 11:03

Das Schlossberg-Parking steht offen

Thun

1000 Tage Bauzeit, 400 Gäste, 1 neues Parking, das definitiv nicht 08/15 ist: Am Freitag wurde das Parking im Schlossberg feierlich eröffnet.

Im neuen Parking mit der Silhouette von Thun als Deko-Element: Die Verantwortlichen sagen am Eröffnungsanlass «Danke».

Im neuen Parking mit der Silhouette von Thun als Deko-Element: Die Verantwortlichen sagen am Eröffnungsanlass «Danke».

(Bild: Patric Spahni)

  • Michael Gurtner

Nein, ein ganz gewöhnliches Parking ist es nicht. Ein ganz gewöhnliches Parking würde zum Beispiel kaum in den Berg direkt unter dem Wahrzeichen der Stadt gebaut. Es würde sich darin auch bestimmt keine imposante, meterlange Schwarz-Weiss-Silhouette der Stadt Thun mit Niesen und Stockhornkette im Hintergrund finden. Und keine 400-köpfige Gästeschar mit allem, was in Thun Rang und Namen hat, die just dort feierlich diniert, wo ab Montagmorgen Autos parkiert sein werden.

Und so ist dieser 9. November auch kein ganz gewöhnlicher Moment in der Geschichte der Stadt Thun. Wobei: Das Parking mitten im Schlossberg mit 310 Plätzen auf acht Halbgeschossen und mit schmucken Lichtern, die leere und besetzte Parkplätze in Grün beziehungsweise Rot anzeigen, mag topmodern sein – zum Start der Eröffnungsfeier ist Tradition Trumpf. Roter Teppich und heimeliger Gesang des Jodlerklubs Oberhofen, der schon mal den richtigen Ton trifft. Ob das den Festrednern auch gelingt?

1,9 Millionen gespart

Nun, Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP), der auch als Verwaltungsratspräsident der Parkhaus Thun AG amtet, kann sich einen Seitenhieb in Sachen Wahlkampf nicht verkneifen. Er, der von seinem parteilosen Herausforderer Matthias Zellweger wiederholt als Verwalter tituliert wurde, meint augenzwinkernd: Es sei ja schon erstaunlich, was man mit so ein bisschen Verwalten alles bewerkstelligen könne.

Damit holt er sich die Lacher des Publikums – und einen Szenenapplaus. Lanz begrüsst in seiner Rede explizit auch die Velofahrenden sowie die Fussgängerinnen und Fussgänger. Und er betont: «Das Parking ist nicht nur eine Parkieranlage, sondern auch eine wichtige Fussgängerverbindung von der Hauptgasse in die Burgstrasse und auf den Schlossberg.»

Eine frohe Kunde hält der Stapi in Sachen Kosten bereit. Der Kostenvoranschlag des Parkings habe bei 44,4 Millionen Franken gelegen, die provisorische Schlussabrechnung weise Ausgaben von 42,5 Millionen aus – was alle widerlege, die stets moniert hätten: «Das wird sowieso teurer!» Schon Goethe habe gesagt, Erfolg habe drei Buchstaben: Tun. «Aber damals gab es die neue Rechtschreibung noch nicht. Heute hat Erfolg vier Buchstaben!»

Beat Aeschbacher, Projektleiter der Bauherrschaft, sagt derweil: «Das Baby ist geboren, wenn auch erst nach neun Jahren.» Für ein solches Projekt sei dies allerdings eine normale Geburt. Jürg Pfluger, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Arge Marti Schlossberg, blickt auf die Bauzeit zurück und nennt erstaunliche Zahlen und Fakten – zum Beispiel: «Die verlegten Kabel reichen etwa zweimal um den ganzen Thunersee.»

Und Andreas W. Maurer, seines Zeichens Geschäftsleiter der Parkhaus Thun AG, zitiert den Satz aus der Bibel, dass der Glaube Berge versetzen könne – auch wenn hier der Berg nicht neu platziert, sondern lediglich ausgehöhlt wurde.

Um 18.37 Uhr ist es so weit

Schliesslich ist es Punkt 18.37 Uhr, als Lanz, Maurer und Marti-CEO Peter Blättler das Band am Parkingeingang durchschneiden und das Bauwerk so offiziell eröffnen – zu Trommelwirbeln der Tambouren des Kadettencorps.

Peter Blättler (CEO Marti AG), Raphael Lanz (Stadtpräsident) und Andreas W. Maurer (Parkhaus AG) schneiden das Band durch. Bild: Patric Spahni

Und während der Musikverein Thun aufspielt, verschiebt sich die Gästeschar in Richtung nächstunteres Parkgeschoss zum Festschmaus mitten im Thuner Schlossberg. Nein, es ist kein ganz gewöhnliches Parking. Davon kann sich am Samstag, 10. November, von 10 bis 18 Uhr die gesamte Bevölkerung am grossen Tag der offenen Tür überzeugen.

«Wir haben lange auf diesen Moment gewartet»

Die Planung und Umsetzung des Schlossbergparkings hat viele der 400 geladenen Gäste des Eröffnungsanlasses über längere Zeit hinweg begleitet. Simon Bertholet von der Arbeitsgemeinschaft Marti Schlossberg beispielsweise hat zwischen Februar 2016 und Juli 2017 die Tunnelbauarbeiten im Berg geleitet. «Ich arbeite seit anderthalb Jahren nicht mehr hier, komme aber immer wieder gerne zurück», sagte Bertholet, der aktuell bei der Sanierung des Lötschberg-Scheiteltunnels engagiert ist. Er sei mit dem Parkingprojekt nach wie vor emotional verbunden. «Es war eine schöne Baustelle, und unser Team funktionierte gut», hielt er fest.

Alt-Gemeinderat Melchior Buchs, der von 1995 bis 2002 in der Regierung sass, erinnerte sich an die Zeit, als ein neues Parking noch im Aarebecken geplant war. Die Idee wurde später vom Volk an der Urne verworfen. «Der Beschluss, den Thuner Parkhausring fertigzustellen, fiel 1997. Es brauchte also über 20 Jahre, bis der heutige historische Tag Realität wurde», erzählte Buchs. Gar bis 1982 zurück beschäftigte die Idee eines Schlossberg-Parkings René E. Gygax, Präsident des Thuner Innenstadt-Leists und damals junger Chefredaktor dieser Zeitung. «Ab 2011 habe ich daran geglaubt, dass die Vision tatsächlich Realität werden könnte», sagte Gygax. Das Bauwerk im Berg mache einen guten Eindruck auf ihn. «Ich bin überzeugt, dass die Automobilisten das neue Parking rege nutzen werden.»

Durchwegs Lob für Bauwerk

Als einen speziellen Tag für Thun und insbesondere die Altstadt bezeichnete den gestrigen 9. November Alt-Gemeinderätin Ursula Haller. «Das Parking bietet den vielen Läden in der Hauptgasse eine einmalige Chance.» Um diese zu packen, brauche es Engagement und einen attraktiven Branchenmix. Dass Parkings, die in einen Berg gebaut seien, funktionieren, zeige das Beispiel Salzburg. «Dort befindet es sich unter der Burg. Und die Kunden erhalten Coupons, die sie in Altstadtcafés einlösen können.» Der Steffisburger Gemeinderat und Tiefbauvorsteher Marcel Schenk, der sich in der Regel für den öffentlichen Verkehr starkmacht, sprach von einem «tollen Parking». Nicht nur für die Thuner sei es ein «historischer Tag», sondern auch für die Bürger aus den Gemeinden der Region. «Wichtig ist natürlich, dass gleichzeitig nun auch die Fussgängerzone in der Innenstadt in Betrieb genommen wird.»

Erleichtert zeigte sich Susanne Kiener: «Wir haben lange auf diesen Moment gewartet», sagte die Geschäftsführerin der Schlossberg Thun AG. Das «schlichte und elegante» Bauwerk sei ein Gewinn, sowohl für die Altstadt als auch für den Schlossberg. «Die Leute kommen nun deutlich schneller und einfacher zu uns.» Es sei ein Leuchtturmprojekt – für Thun und für die ganze Schweiz.

Thuner Tagblatt