2019-07-19 18:48

Gänsehaut mit Huber und Eicher

Patent Ochsner mit Überraschungsgast Stephan Eicher sorgten im Mokka-Garten für einen unvergesslichen Konzertabend.

Zwei, die sich mögen: Büne Huber (links) und Stephan Eicher verzauberten die Zuhörer im Mokka-Garten.

Zwei, die sich mögen: Büne Huber (links) und Stephan Eicher verzauberten die Zuhörer im Mokka-Garten.

(Bild: Manuel Berger)

  • Manuel Berger

Am Freitag spielten Patent Ochsner auf dem Gurten. Diese Kombination sorgte schon mehr als einmal für Festivalfeeling pur. Doch wer braucht den Berner Hausberg, dürften sich einige Fans von Büne Huber und Co. gesagt haben, wenn es das Mokka in Thun gibt. Am Donnerstagabend stand dort ein Konzert von «Sweet Agnes & The Fiechters» auf dem Programm.

Dass es sich dabei um einen Decknamen handelte und sich dahinter Patent Ochsner versteckten, blieb kaum ein Geheimnis. Das Konzert, gewissermassen die Hauptprobe für den Gurten-Gig, war schon lange zuvor ausverkauft. Wer nun aber glaubt, die Band habe das Thuner Publikum bloss zum Warmwerden missbraucht, durfte sich eines Besseren belehren lassen. Festivalfeeling inklusive Hühnerhautmomente in einer friedlich-gelösten Atmosphäre, das gab es auch im Mokka-Garten.

In bester Spielfreude

Von Beginn weg präsentieren sich Patent Ochsner auf der für die Grösse des Gartens fast schon wuchtigen Bühne gut gelaunt und in bester Spielfreude. Aber auch an intimen Momenten mangelte es nicht. «Es ist das erste Mal, dass ich hier bin, seitdem Pädu tot ist», sagte Büne Huber in einer seiner ersten Ansagen und gedachte so des 2016 verstorbenen Vaters des Mokkas, Beat Anliker. «Es ist deshalb ein spezielles Gefühl für mich. Aber ich bin sicher, dass er heute Abend hier sein wird.»

Wenig später gedachte Huber einer weiteren, kürzlich verstorbenen Person, die in der Musikszene eine grosse Lücke hinterlassen hat. Er habe einmal einen Abend am Walensee verbracht, mit Polo Hofer und einer dritten Person, sagte Huber. Man habe ungestört geredet, «plättelet», das heisst einander Songs gezeigt, und zusammen den Abend genossen. «Und wie immer mit Polo war ich am Schluss breit», sagte Huber. Die ominöse dritte Person, die sodann als Special Guest die Bühne betrat, war kein Geringerer als Stephan Eicher.

Spürbare Harmonie

Der Chansonnier und die Mundartrocker, sie harmonierten in der Folge perfekt. Und auch Stephan Eicher hatte sichtlich Spass am gemeinsamen Auftritt. «Du solltest einen alten Mann nicht vor dem Auftritt zum Weinen bringen», sagte er in Richtung Büne Huber, als Antwort auf seine schmeichelnde Ankündigung.

Wieder unter sich, spielten sich Patent Ochsner einmal quer durch ihre Diskografie und schafften es, eine ausgewogene Mischung von Neuem und Altem, Hits und weniger Bekanntem zu finden. Nach zwei Stunden und für die inzwischen dritten Zugabe holten sie dann noch einmal Stephan Eicher auf die Bühne und spielten als letzten Song «Scharlachrot». Eicher, mit seiner unverkennbar rauen Stimme, verlieh dem Ochsner-Klassiker eine andere, neue Tiefgründigkeit und Authentizität.

Zuletzt sang das Publikum den Refrain ohne Aufforderung und in Endlosschleife in die laue Sommernacht hinaus, und Eicher sprach vielen aus dem Herzen, als er das Wort «Hüenerhut» ins Mikrofon flüsterte.

Thuner Tagblatt