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Kritik an Elon MuskSein Erfolg erzürnt die Aktionäre

Kaum ist Tesla Nummer eins der Autohersteller geworden, wird der Firmengründer der unfairen Bereicherung angeklagt.

Aktionärsberater wollen Elon Musk aus der Führung von Tesla entfernen.
Aktionärsberater wollen Elon Musk aus der Führung von Tesla entfernen.
Foto: Joe Skipper (Reuters)

Der Hype um Tesla ist diese Woche um zwei Kapitel reicher geworden. Der kalifornische Elektroautohersteller überholte Toyota als weltweit wertvollstes Automobilunternehmen, und Aktionärsberater wollen Elon Musk aus der Führung entfernen. Dies nicht etwa, weil der Firmengründer seine Arbeit schlecht gemacht hätte. Vielmehr klagen die Unzufriedenen, dass Musk ein obszön grosszügiges Bonuspaket ausgehandelt hat, das ihn innerhalb von zehn Jahren um 56 Milliarden Dollar reicher machen könnte.

Den Grundstein zum umstrittenen Vergütungsplan legte der Verwaltungsrat im März 2018. Musk muss demnach innerhalb von zehn Jahren ein Dutzend hoch gesteckte Leistungsziele erreichen und zudem den Marktwert von Tesla auf 650 Milliarden Dollar steigern. Dies schien illusorisch, betrug der Unternehmenswert damals erst 54,6 Milliarden Dollar, stagnierte dann fast zwei Jahre, bevor die Aktie steil abzuheben begann und den Firmenwert auf über 210 Milliarden wuchtete. Die erste Erfolgsprämie von 750 Millionen Dollar bezog Musk diesen Frühling.

Doch für Pirc, einen führenden britischen Aktionärsberater, der grosse Pensionsfonds zu seinen Kunden zählt, geht die Sache nun zu weit. Musk müsse abgewählt werden, so der Antrag an die Aktionärsversammlung, oder mindestens müsse der Bonusplan gestrichen werden. Musk und der ganze Vorstand wollten sich «unfair bereichern», warnt Pirc. Dabei stelle Musk «ein schweres Reputationsrisiko für das Unternehmen und seine Aktionäre» dar. Die häufigen Ausbrüche auf Twitter hätten Tesla schon jetzt Millionen von Dollar gekostet, darunter eine Busse der Börsenaufsicht von 40 Millionen.

Tesla-Arbeiter wegen Virus-Angst entlassen

Sauer aufgestossen sind Pirc auch die kürzlichen Tweets zur Pandemie. «Musk war ein lautstarker Gegner der Covid-19-Quarantäne und forderte die Arbeitnehmer auf, während der Quarantäne ohne ausreichende Vorsichtsmassnahmen und trotz deren Proteste zur Arbeit zu erscheinen.» Tatsächlich missachtete Musk mit dieser Forderung die strikten Anordnungen der Behörden. Die Angst vor dem Virus bezeichnete er zunächst als «dumm» und sagte ähnlich wie Trump voraus, in den USA werde es Ende April «wahrscheinlich fast null neue Fälle» geben. Allerdings wurden mehrere Tesla-Mitarbeiter nach ihrer Rückkehr zur Arbeit positiv auf Covid-19 getestet.

Ende Juni erhielten drei Tesla-Arbeiter die Kündigung, weil sie eine Rückkehr für zu riskant hielten. Kalifornien hatte bis vor kurzem eine vergleichsweise geringe Ansteckungsrate, wurde aber nach der Lockerung der Vorschriften im Juni rasch einer der Brandherde in den USA. Pirc dürfte dennoch einen schweren Stand haben, hatten die Aktionäre das Gehaltsabkommen doch vor zwei Jahren genehmigt, obwohl sich die Corporate- Governance-Experten von Glass Lewis und Institutional Shareholder Services entschieden dagegen aussprachen.

Musks Vermögen an Tesla-Erfolg gekoppelt

Der Verwaltungsrat vergebe sich jede Chance, Musk an die kurze Leine zu nehmen, sollte etwas schiefgehen,
so der Einwand. Zudem sei fraglich, warum Musk noch mehr Aktien brauche, wenn doch sein Vermögen von inzwischen 45 Milliarden Dollar bereits fest an den Tesla-Erfolg gekoppelt sei.

Solcher Kritik hält das Unternehmen entgegen, dass «Elon keinerlei garantierte Vergütung erhalten wird – kein Gehalt, keine Bargeldprämien und kein Eigenkapital». Die Leistungsprämie stelle dafür sicher, «dass er nur dann entschädigt wird, wenn Tesla und alle unsere Aktionäre ausserordentlich gut abschneiden». Die Hauptversammlung von Tesla war für den 7. Juli geplant, wurde aber diese Woche auf September verschoben.