2019-11-08 09:03

Frau Wacker

Mit Nicole Kaufmann verantwortet beim Thuner Spitzenclub eine 24-Jährige zentrale Bereiche. Die Leiterin der Geschäftsstelle hat eine bemerkenswerte Biografie.

Stets dabei, stets im Hintergrund: Nicole Kaufmann.

Stets dabei, stets im Hintergrund: Nicole Kaufmann.

(Bild: Markus Grunder)

  • Adrian Horn

    Adrian Horn

Es ist was Schlimmes! Das merkt sie gleich. Die Schmerzen sind nicht ganz so heftig wie beim letzten Mal. Aber sie wird wieder ausfallen; das spürt sie.

Es ist Februar 2015, als das Leben Nicole Kaufmanns eine Wende erfährt. Erneut hat sie sich das Kreuzband gerissen, diesmal dasjenige am rechten Knie, bloss eine Woche nachdem sie das Comeback gegeben hat.

Die Aufbauerin von Rotweiss wird nie wieder in der Nationalliga A auflaufen. Sie arbeitet zunächst an einer wiederholten Rückkehr, betritt neuerlich Handballfelder, registriert aber rasch, dass sie verunsichert ist und nicht länger bereit, sich entschlossen in Zweikämpfe zu begeben.

Einen zentralen Part bei einem Thuner Spitzenverein hat die Studentin inzwischen gleichwohl inne: Sie ist bei Wacker die Leiterin der Geschäftsstelle. Unter anderem. Beim zweimaligen Meister ist sie des Weiteren etwa: Juniorentrainerin, Social-Media-Beauftragte, Protokollschreiberin.

Und so sagt sie: «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Club denke.» Sie ist eine jener Personen, ohne die derlei Vereine auf Dauer nicht existieren könnten. Weilt sie in den Ferien, während hierzulande gespielt wird, verfolgt sie die Partien im Livestream.

An Begegnungen in der Lachenhalle pflegt sie als eine der Ersten aufzutauchen und als eine der Letzten zu gehen. Und an die Gastmatchs reist sie immer mal wieder mit, auch wenn sie dies aufgrund ihres Jobprofils nicht tun müsste. Zumindest auf den Hinfahrten sitzt sie nie im Teambus; sie möchte die Akteure nicht stören.

Das ist repräsentativ für ihre Haltung: Es geht nicht um sie – es geht um die Sache, um den Club. Um Wacker.

Aufstieg und Krönung

Ausschliesslich Juniorentrainerin war die 24-Jährige zu Anfang. Als die Leute aus dem Vorstand jemanden suchten, der an den Sitzungen das Protokoll führt, wandten sie sich an sie. Mittlerweile wird sie regelmässig um ihre Sicht der Dinge gefragt, wenn die Führung tagt.

Ihre Meinung hat Gewicht. Präsident Georges Greiner sagt: «Zuverlässigkeit, rasches Handeln, Kreativität und Führungseigenschaften zeichnen Nicole aus. Sie wird allseits geschätzt.» Längst trägt Kaufmann den Übernamen «Frau Wacker».

40 Prozent beträgt ihr Pensum. Den Aufwand deckt das freilich nicht. Sie sagt: «Das muss es auch nicht.» Sie arbeite aus Überzeugung nebenbei ehrenamtlich, wie dies die allermeisten im Club tun würden.

Voraussichtlich im April schliesst sie das Masterstudium in Kommunikationswissenschaft und Medienforschung in Freiburg ab, worauf sie einen höheren Anstellungsgrad anstreben wird. Vermutlich also wird sie auf beruflicher Ebene irgendwann weiterziehen. An den Verein denken dürfte sie aber auch dann noch immer jeden Tag.