2018-12-05 19:00

Jetzt werden die Mitholz-Bomben stärker überwacht

Mitholz

Weil im ehemaligen Munitionslager Mitholz immer noch tonnenweise scharfe Bomben liegen, will der Bund die Überwachung der Anlage verstärken und bis 2020 einen Plan zur Senkung des Risikos ausarbeiten.

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Mit technischen Hilfsmitteln verbessert der Bund die Überwachung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz im Berner Oberland. Ein Expertenteam sucht zudem bis Mitte 2020 nach Möglichkeiten, um das Risiko einer neuen Explosion zu beseitigen oder wenigstens zu senken.

Die Bevölkerung von Kandergrund wurde am Mittwochabend über den Stand der Arbeiten informiert, wie der Kanton Bern und die Gemeinde Kandergrund gemeinsam mitteilten. Seit Sommer 2018 ist bekannt, dass das Risiko einer Explosion im ehemaligen Munitionslager höher ist als angenommen.

Zurzeit werden geologische Aussensensoren installiert. Innerhalb der Anlage stehen künftig Video- und Wärmebildkameras zur Verfügung. Anfang Jahr wird zudem ein System installiert, um austretende Gase zu messen.

Sofortmassnahmen für die lokale Bevölkerung brauche es nicht, hatten Experten bereits im Sommer festgestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten aber ein Merkblatt, damit sie sich im Fall einer Explosion oder einer Evakuierung richtig verhalten.

Der Bevölkerung wird unter anderem empfohlen, einen Keller vorzubereiten, in dem sich alle Hausbewohner mindestens einen Tag lang aufhalten können. Zudem sollen die Anwohner auf ihrem Smartphone die Alertswiss-App installieren.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Evakuierungskonzept. Alle Bewohnerinnen und Bewohner müssen sich beim Verlassen des Gebietes bei einer Registrierungsstelle melden.

Notumfahrung links der Kander

Der Kanton Bern gab an der Informationsveranstaltung auch bekannt, dass er eine einspurige Notumfahrung plant: Ein bestehender Flurweg links der Kander soll zur asphaltierten Strasse ausgebaut werden. So könnten nach einer Explosion auch Lastwagen und Busse das Schadengebiet umfahren.

Das Munitionslager wurde im Zweiten Weltkrieg erstellt und 1947 bei einer Explosion verschüttet. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Munition im Berg sicher verwahrt sei.

2017 gab das Verteidigungsdepartement eine neue Risikobeurteilung in Auftrag. Externe Experten kamen zum Schluss, dass äussere Einwirkungen wie ein Felssturz oder eine Selbstzündung der Munitionsrückstände eine Explosion verursachen könnte, die auch Schäden in der nahen Umgebung zur Folge hätte.

Suche nach Lösungen

An einer Info-Veranstaltung im Oktober hatten Bewohnerinnen und Bewohner deutlich gemacht, dass sie die vollständige Räumung des Munitionslagers erwarten. Dass alles so lange daure, sei schwer verständlich. Vertreter des Bundes entgegneten damals, für einen seriösen Entscheid brauche es gesicherte Grundlagen.

Wie das Verteidigungsdepartement (VBS) jetzt bekanntgab, wird mit Hanspeter Aellig ein vollamtlicher Projektleiter eingesetzt. Zusammen mit einem Team werde er bis Mitte 2020 «Varianten erarbeiten, welche das Risiko beseitigen respektive nachhaltig senken».

chh/sda