2018-12-05 20:54

Verkehrskonferenz will Haltestelle Thun-Nord forcieren

Thun/Oberland

Mitgliederversammlung der Regionalen Verkehrskonferenz Oberland-West: Orientierung über aktuelle Planungen.

Für eine Haltestelle Thun-Nord spricht unter anderem die Entlastung des Bahnhofs Thun

Für eine Haltestelle Thun-Nord spricht unter anderem die Entlastung des Bahnhofs Thun

(Bild: Fritz Lehmann)

  • Manuel Berger

Wahltag in Bundesbern, und Wahltag war am Mittwoch auch für die Regionale Verkehrskonferenz Oberland-West (RVK 5), die im Thuner Rathaus ihre Mitgliederversammlung abhielt. Der eigentlichen Wahl ging eine Statutenänderung voraus, weil vorgängig beantragt wurde, der Region Kandertal im Ausschuss gleich viele Sitze wie der Region Obersimmental-Saanenland zuzugestehen. Letztere war bisher mit zwei Sitzen vertreten, das Kandertal lediglich mit einem.

Der Ausschuss habe verschiedene Varianten geprüft, um die Sitze angemessen auf die Teilregionen zu verteilen, erläuterte Präsident Jürg Marti. Schliesslich habe man befunden, die Gesamtzahl von 9 auf 11 Sitze anzuheben und dem Kandertal sowie dem Entwicklungsraum Thun (ERT) einen zusätzlichen Sitz zu gewähren. Der entsprechende Antrag wurde von den versammelten Mitgliedern einstimmig genehmigt.

Für die zwei neuen Vakanzen wurden Erika Schoch aus Sigriswil für den ERT vorgeschlagen, für das Kandertal Sandra Bircher aus Frutigen. Die Versammlung wählte Schoch und Bircher einstimmig in den Ausschuss.

Gleichzeitig wurden alle bisherigen Mitglieder im Ausschuss bestätigt; zudem wurde festgehalten, dass der Sitz der demissionierenden Thuner Gemeinderätin, Marianne Dumermuth, bei der Stadt Thun bleibt. Zum Schluss des Wahlprozedere wurde auch Präsident Jürg Marti im Amt bestätigt.

Emanuel Buchs, Geschäftsführer der RVK 5, orientierte in der Folge über die geplante Buslinie zwischen Zweisimmen und Boltigen. Beim Kanton habe man beantragt, die Buslinie per Fahrplanwechsel 2019 aufzunehmen. Dieser habe die Ausschreibung aber erst per Fahrplanwechsel 2020 gestartet, sagte Buchs.

Die BLS beziehungsweise der AFA (Automobilverkehr Adelboden-Frutigen AG) betreibt nun aber die Linie nächstes Jahr als Übergangslösung. Bei einer Fahrtzeit von 23 Minuten verbindet die neue ÖV-Strecke zwischen Montag und Samstag zwölf Haltestellen.

Haltestelle Thun Nord (noch) nicht im Ausbauschritt 2035

Für die anschliessende Orientierung über aktuelle Planungen ergriff wiederum Jürg Marti das Wort. Er erläuterte die unternommenen Anstrengungen der RVK 5 im Zusammenhang mit der neu geplanten S-Bahn-Haltestelle Thun Nord. Bei der Eingangsprüfung durch das Bundesamt für Verkehr erfüllte die Haltestelle alle nötigen Kriterien.

Die Gesamtkosten schätzte es auf rund 36 Millionen Franken, allerdings bei einer hohen Fehlermarge von plus bis minus 50 Prozent. Obwohl die Haltestelle in die erste Dringlichkeitsstufe aufgenommen wurde, sei sie aber nicht Teil des Ausbauschrittes 2035, sagte Jürg Marti.

Für die RVK 5 spricht nicht nur die optimale Erschliessung für den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord bei zu erwartenden 6000 Benutzern pro Werktag für die neue S-Bahn-Haltestelle. Auch die Entlastung des Bahnhofs Thun und der Innenstadt sowie die Erhöhung der Standortattraktivität des Wirtschaftsraums Thun und die Reduktion überregionaler Pendlerströme sind wichtige Argumente.

Und trotz der hohen Kosten wird inzwischen auch angenommen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis der neuen S-Bahn-Haltestelle positiv ist. Das Bundesamt für Verkehr bewertete dieses Verhältnis anfänglich schlecht.

Diese Bewertung wiederum wurde dann aber auf der Grundlage einer Potenzialstudie und des Argumentariums der RVK 5 nach oben korrigiert. «Die Haltestelle ist volkswirtschaftlich gerechtfertigt», sagte Marti. Ein Aufbau des Komitees «Nächster Halt Thun Nord» wie auch Lobbying im Bundeshaus sollen nun die Weichen doch noch in Richtung Ausbauschritt 2035 stellen.

Thuner Tagblatt