2018-12-06 09:51

Bach trifft Rutter: Lobgesang in der Stadtkirche

Thun

Am Sonntag lässt der Konzertchor Cantus Regio Thun zwei Magnifikats ertönen: eines von Johann Sebastian Bach und das andere von John Rutter. Eine spannende Begegnung.

Dirigent Peter Loosli mit dem Cantus Regio und dem Opus-Orchester Bern bei der Probe in der Stadtkirche.

Dirigent Peter Loosli mit dem Cantus Regio und dem Opus-Orchester Bern bei der Probe in der Stadtkirche.

(Bild: Markus Hubacher)

  • Margrit Kunz

Am Konzert «Bach trifft Rutter» werden zwei Werke einander gegenübergestellt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Die beiden Komponisten kommen aus verschiedenen Jahrhunderten. Johann Sebastian Bach lebte von 1685 bis 1750, und der Engländer John Milford Rutter ist heute 73-jährig. Beide habe jedoch ein Magnifikat komponiert; die Idee, diese in einem Konzert zu vereinen, lag schon länger vor. Beide Werke basieren auf einem Text aus dem Lukasevangelium und sind Loblieder. Doch was bedeutet es für Sänger und Musiker, diese zwei Werke gleichzeitig einzustudieren?

Grosse Herausforderung

Walter Pulver und Magdalena Kratzer, beide leidenschaftliche Sänger und Vorstandsmitglieder des Cantus-Regio-Konzertchores, sind begeistert von diesem Programm. «Bach ist für uns etwas einfacher zu singen», sagt Pulver. «Die klaren Strukturen helfen uns, es gibt wenig Unerwartetes», ergänzt Kratzer. Ganz anders erleben sie Rutter. «Er verbindet Elemente von Gospel, Jazz und Musical. Das führt zu wechselnden Rhythmen. Mal ist es romantisch, mal hat es Dissonanzen», erklärt Magdalena Kratzer, zeigt es mit Handbewegungen vor und sagt dann: «Eigentlich müsste man es tanzen.»

Dies ist die eine Seite der Komposition von Rutter. «Oft sind die Einsätze schwierig. Man muss von den andern Stimmen die Töne abnehmen, was eine grosse Konzentration erfordert», zeigt Walter Pulver die andere Seite des Werkes von Rutter auf. «Hoffen wir, dass dadurch nicht die Lockerheit verloren geht, denn davon hängt die Ausstrahlung der Aufführung ab, und nur so erreichen wir das Publikum», sagt Kratzer. Das Werk von Rutter wurde 1990 in New York uraufgeführt. Dazu schrieb der Komponist: «Schon längere Zeit wollte ich ein grösseres Magnifikat schreiben, doch ich war mir nicht sicher, wie ich an den Text herangehen sollte, bis ich schliesslich einen Ausgangspunkt fand.

In Ländern wie Spanien, Mexiko oder Puerto Rico bieten Marienfeste den Menschen freudige Gelegenheit, auf den Strassen mit Singen, Tanzen und Prozessionen zu feiern. Ich glaube, dass das Bild des Feierns im Freien irgendwo in meinem Kopf war, als ich komponierte, obwohl es mir erst im Nachhinein bewusst wurde. Bewusst war ich mir hingegen, dass ich mit den Zusätzen dem Beispiel Bachs folgte – mit dem altenglischen Gedicht ‹Of a Rose› und dem Gebet ‹Sancta Mater› sowie dem eingeschobenen ‹Sanctus› im dritten Satz.»

Der Konzertchor Cantus Regio singt unter der Leitung seines Dirigenten Peter Loosli. Der rund 80 Sänger grosse Chor wird vom Opus-Orchester Bern begleitet. Das Opus-Orchester ist ein junges, innovatives Orchester freischaffender Berufsmusiker. Als Solisten konnten Anja Christina Loosli, Sopran, Barbara Magdalena Erni, Mezzosopran, Hansjürg Rickenbacher, Tenor, und Tobias Wicky, Bass, verpflichtet werden.

Das Konzert «Bach trifft Rutter» findet am Freitag, 7. Dezember, um 19.30 Uhr in der Französischen Kirche in Bern und am Sonntag, 9. Dezember, um 16.30 Uhr in der Stadtkirche Thun statt.

Berner Zeitung